„Wochenbettzeit – Deine Self Care Time“ Hilfreiche Tipps zur Intimpflege und Hygiene im Wochenbett



Als Gesundheits- und Kinderkrankenpflegerin ist es mir eine große Freude und Leidenschaft seit über zehn Jahren schon (werdende) Eltern und vor allem Mütter auf ihrem individuellen Weg beraten und begleiten zu dürfen. Aus Erfahrung durch meine Mütterberatungen weiß ich, dass viele Schwangere und werdende Eltern sich intensiv mit dem Thema Geburt auseinandersetzen, jedoch Stillen und Wochenbett(pflege) in den Hintergrund rücken. Darum möchte ich mich in diesem Blogbeitrag ganz konkret dem Thema Wochenbettpflege, Intimpflege und Hygiene widmen.



Hygiene im Wochenbett

In den letzten Jahrzehnten hat sich das Verständnis von Wochenfluss und Hygiene im Wochenbett deutlich geändert. Heute weiß man es besser und betrachtet den Wochenfluss und die Binden nicht wie früher als hoch infektiös und berührt sie mit Zange oder Pinzette und verbietet das Baden oder Haarewaschen. Zwar sind Haut und Körperflüssigkeiten keimbesiedelt, aber nicht hoch infektiös, oder gar gefährlich wie die heutigen Krankenhauskeime. Schließlich ist die gesunde Hautflora der Mutter wichtig für Babys Immunsystem.

Das A und O der Hygiene ist, auf saubere Hände zu achten. Du solltest nach dem Wickeln, ggf. vor dem Stillen, nach dem Einkaufen oder wenn du nach Hause kommst, und selbstverständlich nach der Toilette deine Hände gründlich mit Seife waschen. Eine Händedesinfektion ist nur im Krankenhaus notwendig und sinnvoll.

Viele Mütter haben Sorge durch den Wochenfluss, das ständige Tragen von Einlagen und immer wiederkehrende Schweißausbrüche (Hormonumstellung) nicht richtig sauber oder wohlriechend zu sein. Dusche dich täglich und pflege mehrmals am Tag deinen Intimbereich bzw. deine Geburtsverletzung. Beim Duschen solltest du in den ersten beiden Tagen jemanden in Rufweite haben. Verzichte auf stark parfümierte Duschgels und Deos, da es Babys feine Nase irritieren kann. Das Verbot des Badens ist mittlerweile bereits überholt. Es sollte jedoch nicht zu heiß sein und den Kreislauf allzu sehr belasten. Meist finden Frauen ein Vollbad erst angenehm, wenn der Wochenfluss komplett versiegt ist.

Deine Handtücher und Waschlappen solltest du regelmäßig wechseln, spätestens alle zwei Tage, deine Stilleinlagen und Unterwäsche täglich und die Wäsche bei mindestens 60°C waschen.


Intimpflege im Wochenbett

Die Zeit der Genesung kann von jeder Frau sehr unterschiedlich empfunden werden. Wurde vaginal entbunden, wird es etwa drei Wochen dauern, bis Wundsein und Dammschmerz vergehen. Bei Geburtsverletzungen und Dammschnitt bzw. nach einem Kaiserschnitt kann es auch mehr als sechs Wochen dauern, bis sich die Frau voll geheilt und genesen fühlt.

Für den Intimbereich (mit Dammnaht) verwendest du am besten am Anfang nur Wasser und noch keine Seife. Falls du nach einigen Wochen bzw. sobald deine Geburtsverletzung verheilt ist eine Waschlotion bevorzugst, achte darauf, dass diese im pH-Wert eher niedrig, sauer ist (z.B. Waschschaum). Zur Kühlung und Erfrischung kann auch ein Hydrogel oder Hydrolat-Spray aus dem Kühlschrank aufgetragen werden. Auf Feuchttücher solltest du verzichten, da diese die Haut unnötig reizen, die Wundheilung verzögern und Hämorrhoiden begünstigen könnten.

Falls du für deine individuelle Situation weitere Empfehlungen (spezielle Eisbinden, ätherische Öle u.a.) suchst, frage am besten deine Hebamme.


Wundheilung und Geburtsverletzungen

Durch die Geburt kann es zu Schürfungen, oberflächlichen Verletzungen im Inneren der Scheide oder an der Innenseite der Schamlippen kommen, oder ein Dammschnitt notwendig sein. Kleine spontane Risse, die du von der Geburt erlitten hast, verheilen relativ schnell. Die wichtigste Maßnahme bei Geburtsverletzungen ist es sich zu schonen und hinzulegen, vor allem in den ersten beiden Wochen. Hier betone ich die Wichtigkeit der WochenBETTzeit, in der du viel im Bett verbringen darfst und solltest. Vor allem Frauen nach einem Kaiserschnitt sollten sich auch länger schonen, schließlich kann man die Sectio mit einer großen Bauchoperation vergleichen. Schwer zu heben und viel herum zu laufen, können Kaiserschnittnarben und Geburtsverletzungen belasten.

Sitzpositionen (z.B. Schneidersitz beim Stillen) solltest du nicht zu lange einnehmen, um Überdehnung auf Nähte oder kleine Verletzungen zu vermeiden. Auch Sitzkissen können Zug auf Haut oder Nähte ausüben. Solltest du Schmerzmittel benötigen und das Wundsein an den Geburtsverletzungen oder Nähten nicht besser werden, lass bitte deine Hebamme drauf schauen.

Je nach Bauchgefühl können folgende Tipps (schmerz)lindernd wirken, dein Wohlbefinden und den Heilprozess fördern:

  • Eine Kühlung des Dammbereichs alle paar Stunden am ersten Tag, beugt Hämatome vor, nach dem 3. Tag nur mehr bei Schwellungen sinnvoll

  • Warmes Wasser über Damm spülen beim oder nach dem Urinieren, irritiert weniger stark die Haut, weniger Brennen.

  • Sollte Kälte bevorzugt werden, kann man auch ein Hydrolat (Rosenhydrolat, Arnikatinktur, Calendulaessenz) aus dem Kühlschrank aufsprühen

  • (kalte) Kompressen für eine kurze Zeit in der Netzhose (z.B. mit Rosenöl, Lavendelöl – wirkt desinfizierend, kühlend, heilend)

  • Warme Sitzbäder für max. 20 Minuten mehrmals am Tag, um Schmerzen zu lindern (als Badezusatz Geburtsöl, Rosen-, Lavendelöl und Meersalz).

  • Quarkwickel bei geschlossenen, aber schmerzenden Nähten

  • Bauchmassage im Uhrzeigersinn (mit Geburtsöl, nativem Trägeröl, ggf. ätherischen Ölzusätzen) bei besonders schmerzhaften Nachwehen, entspannend, regt auch die Peristaltik gut an

  • Für leichteren Stuhlgang prophylaktisch tgl. Leinsamen/Flohsamen(öl) und viel trinken!

  • Für eine gute Wundheilung sind die Mikronährstoffe Zink, Vitamin C und Vitamin E essentiell

  • Beinwellsalbe als Heilsalbe

  • Langes Stehen oder Sitzen meiden

  • Liegen und Schlafen in der Bauch-/Seitenlage

  • Auf harter Unterlage sitzen (Sitz-Ring vermeiden)

  • Schonung bei schlecht oder langsam heilenden Geburtsverletzungen – viel Zeit im Bett verbringen!


Spülen.

Um das Brennen beim Wasserlassen zu minimieren kannst du bei oder nach jedem Toilettengang, vor allem wenn du Probleme beim Stuhlgang hast, mit einer kühlen oder lauwarmen Kochsalzlösung oder mit Hydrolaten spülen. Verwende je nach Gefühl und Empfinden entweder etwas wärmendes oder doch lieber eine kühlende Spülung, Creme oder Öl-Tupfer.


Sitzbad.

Manche empfinden auch ein Sitzbad mit Salzwasser als angenehm (z.B. Müllbeutel über Klobrille hängen), manche bevorzugen lieber einen Spray damit der wunde Bereich nicht berührt und abgetupft werden muss. Außerdem verbleiben die heilenden Substanzen des Hydrolates länger auf der Haut. Zu lange sollte man jedoch nicht im Wasser baden, damit die Wunde oder die Dammnaht nicht unnötig aufweichen. Deine Hebamme kann dir je nach Verletzung oder zur Nahtpflege eventuell noch weitere Zusätze für Spülung und Sitzbad bzw. andere Empfehlungen geben.


Yoni Steaming.

Ein sehr altes traditionelles Ritual ist das vaginale Dampfbad. Es ist eine heilsame Möglichkeit der Selbstpflege, sobald der Wochenfluss im Spätwochenbett deutlich zurückgegangen ist. Es wirkt mit entsprechenden Kräutermixturen desinfizierend, schmerzlindernd, reinigend und unterstützt die Rückbildung. Das Dampfen ist eine besonders angenehme, stressabbauende und auch entspannende Selbstfürsorge für Frauen. Geburtsverletzungen werden besonders gepflegt, befeuchtet und können schneller abheilen. Bei regelmäßiger Anwendung reduzieren sich auch Hämorrhoiden. Die desinfizierende Wirkung beugt mit der Hitze und der Wirkung spezieller Kräuter prophylaktisch Infektionen im Wochenbett vor. Du kannst dich 10 bis 30 Minuten über eine Schüssel (ev. in die Toilette stellen) oder auf einen Hocker mit größerer Lochöffnung mit dem dampfenden Kräuterauszug setzen bzw. hocken. Manche Hebammen empfehlen bereits ab der 36. Schwangerschaftswoche mit dem Dampfen zu beginnen, um den Damm und das Gewebe für die Geburt vorzubereiten, bzw. auch bei Harnwegsinfekten, PMS (prämenstruelles Syndrom), Endometriose oder Zyklusstörungen.

Kontraindikationen sind starke Blutungen, bestehende Infektionen oder Entzündungen, eine bestehende Frühschwangerschaft und das Tragen einer Spirale oder eines Hormonstäbchens. Frag deine Hebamme, welche Kräuter für dich beim Yoni Steaming am besten passen.


Pflege der Kaiserschnittnarbe.

Es kann bis zu 12 Wochen dauern, bis die Wunde von der Sectio (Kaiserschnitt) komplett verheilt ist. Ist der Verband von der Operation einmal ab, reinige einmal täglich die Stelle mit einer Kochsalzlösung, lasse sie an der Luft trocknen und trage erst dann die Heilsalbe auf. Vermeide in den ersten Wochen schweres Heben und Tragen, außer natürlich dein Baby. Du kannst auch gegen Druck an dieser empfindsamen stelle eine Binde zum abpolstern anlegen. Die Fäden werden nach ca. einer Woche von der Hebamme gezogen.


WOCHENBETT – CHECKLISTE

  • Stilltop / Bademantel

  • Wickelunterlage, Inkontinenzeinlage

  • Baumwoll-Unterhosen ein bis zwei Größen größer oder Netzhosen für die ersten Tage

  • Maxi Baumwoll-Binden, weiche unparfümierte Vlies-Einlagen

  • Cool-pack oder gefrorene feuchte, gefaltete Tücher / Kirschkernkissen, Warmpack, oder Mullwindeln für feuchtwarme Wickel (ätherische Ölmischungen, Quark)

  • Rosenhydrolat für ‚Eisbinden‘, Körper- oder Intimpflege

  • Für das Sitzbad, kleine Schüssel oder kleines mobiles Hand-Bidé

  • Geburtsöl, Bauchmassageöl

  • extra weiches Toilettenpapier für die Klinik (oft wird in den Kliniken grobes WC-Papier verwendet)

  • Bauch-Nieren-Gurt, gibt dir Halt

  • Schmerzmittel wie von Ärzt:in verschrieben

  • Kochsalzlösung (NaCl 0,9% Ampullen), Meersalz für 1%ige Spülungen (2TL/L)

  • Was in deine Kliniktasche gehört – findest du hier

  • Was als Erstausstattung notwendig ist – findest du hier


Mute dir nicht allzu viel zu und gib deinem Körper die Zeit zur Erholung, um dich ohne Druck und mit möglichst wenig Stress auf die neue Situation mit deinem Kind und deinem/deiner Partner:in einstellen zu können.

Alles Gute für die Geburt und eine wundervolle Familien-Kennenlernzeit wünscht dir Elisa Steiner,

IBCLC Still- und Laktationsberaterin, Gesundheits- und Kinderkrankenpflegerin, Familien- und Mütterberaterin



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